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Urlaub ohne lange Reise: Dauercamper verbringen Ferien in Deutschland

Urlaub in der Pandemie : Deutschlands Dauercamper

Wo sie ihren Urlaub verbringen, steht fest – daran ändert auch Corona nichts: Ein Besuch bei Langzeiturlaubern.

Hotels und Pensionen sind geschlossen, auch mit dem Wohnmobil ist Urlaub derzeit kaum möglich. Glücklich, wer in der Corona-Pandemie Dauercamper ist. Holger Koch ist einer von ihnen. Seit 30 Jahren ist er regelmäßig in Damp an der schleswig-holsteinischen Ostseeküste zu Besuch: „Wir fühlen uns hier wohl“. Sein Wohnwagen steht direkt am Wasser. Jedes Jahr verbringen seine Frau und er sechs Monate auf dem Platz. Das Ehepaar aus dem Raum Celle in Niedersachsen hatte zuvor Europa mit dem Wohnmobil erkundet. Jetzt seien sie über 70 Jahre alt. „Irgendwann haben wir entschieden, dass wir beide Ruhe haben wollen.“ Die bietet der Platz, zumal in dieser Zeit.

Weiter südöstlich auf der Insel Fehmarn betreibt Malte Riechey mit seinem Vater den Campingplatz Wulfener Hals. Von den 805 Standplätzen sind 265 an Dauercamper vermietet. Der Trend in den vergangenen Jahren sei überall an der Küste eher weg vom Dauercamping gegangen. Mitte April waren in der Woche zehn Prozent der Dauercamper da, am Wochenende 20 bis 30 Prozent. „Das wird sich jetzt deutlich steigern“, ist sich der 42-Jährige sicher. Die meisten Dauercamper kämen aus Gebieten mit einer Anreisezeit von zwei bis drei Stunden.

Nach Riecheys Angaben wird es Zeit, dass der normale Betrieb wieder startet. Im Winter hätten sie mehr als eine Million Euro investiert, in der Hoffnung auf eine normale Saison. Wie groß die wirtschaftliche Not sei? „Das hängt davon ab, wann es wieder losgeht.“ Der Ausfall zu Ostern sei hart gewesen. Die Dauerplatzerlöse können das Geschäft nicht tragen. Sie machen nach Angaben des 42-Jährigen nur zehn Prozent der Gesamterlöse aus. Der Geschäftsführer verweist auf strenge Hygienemaßnahmen, große Abstände und den beständigen Wind, der um die Wohnwagen streicht. „Wie soll man sicherer Urlaub machen?“

 Wer einen Standplatz hat, kann sich glücklich schätzen: Stellplätze fürs Dauercamping sind nicht nur in der Corona-Krise begehrt.
Wer einen Standplatz hat, kann sich glücklich schätzen: Stellplätze fürs Dauercamping sind nicht nur in der Corona-Krise begehrt. Foto: dpa/Hauke-Christian Dittrich

Martin Gerken, 65, aus Hannover macht seit 1988 Urlaub auf dem Platz Wulfener Hals – seit Anfang der 90er Jahre als Dauercamper. Mehrere Kinder sind dort quasi großgeworden und verbringen weiterhin dort ihren Urlaub, jetzt auch mit Enkelkindern. Gerken ist oft auf dem Platz, aber nicht an kurzen Wochenenden, dafür ist der Weg zu weit.

„Wenn ich in diesem Jahr in Rente gehe, werden wir länger auf dem Platz sein können.“ Er schwärmt vom Dauercamperleben auf dem Platz Wulfener Hals, der mit Restaurant, Wassersport und Spielplatz alles biete. „Für Kinder gibt es nichts Schöneres. Die gehen morgens raus und man weiß, sie kommen wieder, wenn sie Hunger haben.“ Gerken ist angetan vom Gemeinschaftssinn: Man achte aufeinander, feiere gemeinsame Feste. Der besonderen Situation der Dauercamper während der Corona-Pandemie ist sich Gerken bewusst: „Wir sind privilegiert.“

Auch in Niedersachsen ist die Nachfrage nach Dauercampingplätzen größer als das Angebot und die Wartelisten sind entsprechend lang. „Wir haben Anfragen ohne Ende“, bestätigt Julia Staarmann, eine der Vorsitzenden des Verbandes der Campingplatzunternehmer Niedersachsen. Im Ferien- und Erlebnispark Alfsee im Landkreis Osnabrück, wo Staarmann arbeitet, sind 380 von 750 Standplätzen ganzjährig vermietet.

Ganzjahresplätze sind auch im Südsee-Camp in Wietzendorf in der Lüneburger Heide gefragt. 600 von 1300 Plätzen sind dort ganzjährig gebucht, alle Möglichkeiten sind vergeben. Die Preise liegen zwischen 1800 und 2500 Euro plus Nebenkosten. Der Bundesverband der Campingwirtschaft schätzt, dass es 260 000 Dauerstandplätze in Deutschland gibt. Die Zahl der Touristikstandplätze liege bei 230 000.

In Mecklenburg-Vorpommern gelten seit jüngstem strengere Regeln: Dauercamper aus anderen Bundesländern dürfen sich nicht mehr auf den Plätzen aufhalten. In einigen Regionen hatten sie wegen hoher Corona-Inzidenzen auch schon vorher die Plätze verlassen müssen. Und auch wer seinen Wohnsitz in Mecklenburg-Vorpommern hat, darf nach Angaben des Landes-Campingverbandes nur tagsüber auf die Plätze, übernachten ist verboten.

Der Geschäftsführer des Campingplatzes im Ostsee-Bad Graal-Müritz, Oliver Behrens, nennt die Regelung „völlig unverständlich“. Menschen aus der sicheren Umgebung eines Campingplatzes in eine große und enge Stadt zurückzuschicken, werde von den Betroffenen als „totaler Irrsinn“ bezeichnet. „Das sorgt für großen Unmut“, sagt Behrens.

(dpa)