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Der Weltraumtourismus verspricht Millionengeschäfte

Tourismus in der Umlaufbahn : Freie Bahn für Weltraumtouristen

Nicht nur auf der Erde kommt der Tourismus wieder in Gang. Auch fürs All gibt es neue Pläne. Mehrere US-Firmen machen bemannte Raumkapseln für Flüge mit zahlenden Passagieren startklar.

Im April 2001 flog der in Südafrika geborene Internet-Millionär Dennis Tito als erster Weltraumtourist in einer russischen Sojus-Raumkapsel ins All. Acht weitere Touristenflüge für jeweils 20 bis 25 Millionen US-Dollar sollten folgten. Als im Jahr 2011 das Shuttle-Programm endete und allein Sojuskapseln den Transport der Astronauten und Kosmonauten übernehmen konnten, war aber für  Weltraumtouristen kein Platz mehr im Erdorbit.

Das ändert sich nun mit dem Einsatz der Raumkapsel Crew Dragon des Unternehmens SpaceX und dem Starliner-Raumschiff von Boeing. Beide Unternehmen wollen damit auch Passagiere mitnehmen, die für die Trainings- und Flugkosten selbst aufkommen. Die Zeitschrift Space News schätzt die Kosten pro Passagier auf 55 Millionen US-Dollar (46 Millionen Euro) für einen einwöchigen Aufenthalt im nahen Erdorbit.

Schon im Sommer 2020 berichtete das in Houston (Texas) heimische Unternehmen Axiom Space, noch in diesem Jahr den Schauspieler Tom Cruise und den Regisseur Doug Liman mit einem Dragon-Raumschiff zur ISS  bringen zu wollen. Für ein nicht näher genanntes Filmprojekt sollten sie einige Szenen in der Schwerelosigkeit drehen. In der aktuellen Flugplanung für 2021/22 tauchen ihre Namen jedoch nicht auf.Stattdessen berichteten Moskauer Nachrichtenagenturen, dass die russische Schauspielerin Julija Peresild und der Regisseur Klim Schipenko im Herbst 2021 mit einem Sojus-Raumschiff zur ISS fliegen werden. Dort sollen sie einen Film für Schüler über das Leben und die Forschungen in der Raumstation drehen.

Auf einen zwölftägigen Raumflug zur ISS im Dezember 2021 dürfen sich der Milliardär Yusaku Maezawa, japanischer Modemacher und Gründer der Internetbild-Plattform ZoZotown, und sein Assistent Yozo Hirano freuen. Auch sie starten mit einer Sojus-Kapsel. Für das erste Quartal 2022 ist schließlich der erste Flug mit einer rein kommerziellen Astronauten-Crew geplant. Geleitet wird die Mission vom ehemaligen Nasa-Astronauten Michael López-Alegría, der zu den Gründern des in Houston beheimateten Unternehmens Axiom Space gehört. Die Firma wird künftig kommerzielle Auftragsforschung für Universitäten, Institute, Organisationen und andere Unternehmen im Erdorbit durchführen.

Während sich die Nasa aus der Finanzierung des Betriebs der Raumstation  ab dem Jahr 2024 Schritt für Schritt zurückziehen will, sollen Unternehmen wie Axiom Space deren Aufgaben übernehmen. López-Alegría wird bei der Axiom-1-Mission begleitet vom Immobilienmakler Larry Connor, dem kanadischen Investor Mark Pathy und dem israelischen Piloten Eytan Stibbe, der Forschungen für Israels Raumfahrtagentur und das Ministerium für Wissenschaft und Technologie durchführen wird.

Vier weitere Privatastronauten sollten im Frühjahr 2022 mit einem Crew Dragon Raumfahrzeug ins All fliegen. Initiator der Mission Inspiration 4 ist der 38-jährige Milliardär Jared Isaacman, Gründer des Internet-Unternehmens Shift4 Payments. Isaacman will während des Fluges nicht nur die Aussicht genießen, sondern auch medizinische Experimente für das St. Jude Children‘s Research Hospital in Memphis durchführen. Dabei unterstützen soll ihn die Arzthelferin Hayley Arceneaux vom St. Jude Kinderkrankenhaus. Die anderen beiden Plätze wurden mit Hilfe einer Online-Lotterie und eines Wettbewerbs für Unternehmer  ermittelt.

Ab dem übernächsten Jahr will das Unternehmen Axiom noch drei weitere Crew-Dragon-Kapseln für private Raumflüge chartern und ab 2024 zwei Business-Labore starten. Sie werden zunächst an die ISS andocken. Nach deren voraussichtlichen Ende im Jahr 2028 sollen sie abgekoppelt und als eigenständige Raumstation betrieben werden. Auch die russische Raumfahrtagentur RKA will mit zwei neuen Forschungsmodulen eine eigene, kommerziell genutzte Raumstation aufbauen.